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Applaus für Schwedens Königspaar und die «Meistersinger»

Bayreuth (dpa) – Mit königlichem Glanz sind die 106. Bayreuther Festspiele eröffnet worden. Königin Silvia von Schweden kam am Dienstag in einem langen, dunkelblauen Kleid auf den Grünen Hügel und winkte lächelnd den Fans zu. Die Ehefrau von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), Karin Seehofer, hielt ihr bei Dauerregen einen Schirm auf dem Weg über den roten Teppich. Bayerns Regierungschef begleitete Schwedens König Carl Gustaf. Aufgeführt wurden «Die Meistersinger von Nürnberg» in einer Neuinszenierung von Barrie Kosky – schon nach dem ersten Akt gab es begeisterten Applaus und «Bravo»-Rufe.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erschien in einem bronzefarbenen Ensemble aus langem Rock und Blazer samt passender Handtasche und schwarzem Schirm an der Seite ihres Mannes Joachim Sauer. Die Kanzlerin ist Stammgast in Bayreuth.

Mehrere Hundert Schaulustige ließen sich von dem schlechten Wetter nicht abschrecken. Vor dem Festspielhaus jubelten sie – neben anderen – den «Tatort»-Schauspielern Harald Krassnitzer und Udo Wachtveitl zu sowie Ex-Skirennläuferin Rosi Mittermaier mit Ehemann Christian Neureuther. Adelige Akzente setzten auch Gloria Fürstin von Thurn und Taxis und aus dem Hause Wittelsbach Franz Herzog von Bayern.

Wie jedes Jahr ließen sich auch zahlreiche Politiker den Beginn der Festspielwochen nicht entgehen. Neben Mitgliedern des bayerischen und des Bundeskabinetts kamen Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und seine Stellvertreterin Claudia Roth (Grüne).

In der Neuinszenierung der «Meistersinger» lag die musikalische Leitung in den Händen von Philippe Jordan. Das Stück ist Richard Wagners einzige heitere Oper, und die Inszenierung hob genau diesen humoristischen Charakter hervor.

Das Stück hatte 1868 in München Premiere gefeiert. Anders als die anderen späten Wagner-Opern haben die «Meistersinger» keinen mythologischen Hintergrund. Die Nationalsozialisten deuteten das Werk jedoch in ihrem Sinn, es wurde bei Reichsparteitagen in Nürnberg aufgeführt. 1956 inszenierte der Komponisten-Enkel Wieland Wagner eine kritisch-minimalistische Version, was als Distanzierung von der früheren Vereinnahmung verstanden wurde.

Neben den «Meistersingern» stehen in dieser Festspielsaison «Tristan und Isolde», «Parsifal» und der vierteilige «Ring des Nibelungen» auf dem Spielplan. Das kulturelle Großereignis, das auch dieses Jahr von strengen Sicherheitsmaßnahmen begleitet wird, endet am 28. August. Nach Veranstalterangaben wurden etwa 58 000 der heiß begehrten Eintrittskarten an Wagner-Fans aus 78 Ländern verkauft.