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Oberpfalz stellt Seehofers Spitzenkandidatur 2018 infrage

München (dpa/lby) – Nach dem CSU-Wahlfiasko stellt der oberpfälzische CSU-Bezirksvorstand die neuerliche Landtags-Spitzenkandidatur von Ministerpräsident Horst Seehofer im kommenden Jahr infrage. Der Bezirksvorstand war in einer Sitzung am Montagabend quasi einmütig der Ansicht, dass es darüber eine offene Debatte geben müsse, verlautete am Dienstag übereinstimmend aus Teilnehmerkreisen. Eine formale Abstimmung darüber habe es allerdings nicht gegeben. Die Oberpfalz-CSU ist der nach Mitgliedern zweitstärkste Bezirksverband.

CSU-Bezirkschef Albert Füracker sagte auf Nachfrage, der Vorstand wolle keine «überstürzten Entscheidungen» und keine «Schnellschüsse». Es sei richtig, dass Parteichef Seehofer die anstehenden Koalitionsverhandlungen in Berlin führen solle. Der Bezirksvorstand sei sich aber mehrheitlich einig gewesen, dass es parallel dazu eine Debatte über einen «geordneten personellen Übergang» geben müsse.

An der Bezirksvorstandssitzung nahmen nach Angaben Fürackers rund 50 Menschen teil, darunter Orts- und Kreisvorsitzende. Diese hätten von massiver Unruhe an der Parteibasis nach dem Wahlsonntag berichtet. «Es herrscht tiefe Verunsicherung und Unruhe», berichtete Füracker. «Es ist eine riesige Enttäuschung da.» Im Laufe der Sitzung habe sich die Schockstarre dann langsam in Empörung umgewandelt. Viele Teilnehmer hätten gefragt: «Wisst ihr, was draußen los ist?»

Füracker betonte aber, die Diskussion sei sehr sachlich abgelaufen. «Alle einte eine große Sorge um diese CSU.» Alle hätten die Frage gestellt, wie es gelingen könne, bei der Landtagswahl in einem Jahr wieder das Vertrauen der Menschen zurückzugewinnen, berichtete er.