Nach Missbrauchsfällen: Diakonie Hochfranken gibt Tipps für Eltern

Nach dem Missbrauchsskandal an einer Bamberger Kita gestern ein ähnlicher Fall vor dem Hofer Landericht: Ein 62-Jähriger soll sich das Vertrauen von Grundschülern erschlichen und sie dann sexuell missbraucht haben. Für die betroffenen Kinder ein traumatisches Erlebnis. Viele verlieren völlig das Vertrauen in Erwachsene, werden aggressiv oder ziehen sich zurück. Gar nicht zu sprechen von möglichen Folgen im Erwachsenenleben. Die Diakonie Hochfranken hat jetzt Tipps veröffentlicht, wie Eltern am Besten für ihre betroffenen Kinder da sein können. Kinder brauchen nach einem Missbrauchsfall ein stabiles Umfeld und Eltern, die ihnen glauben. Vielleicht glaubt das Kind auch, es wäre selbst Schuld an dem Vorfall. Versichern Sie ihm unbedingt, dass alleine der Täter die Verantwortung für das trägt, was passiert ist. Am wichtigsten ist ein Gefühl von Sicherheit und ein normaler Alltag ohne ständig an den Missbrauch erinnert zu werden.

 

Schreiben der Diakonie:

 

Warum brauchen Kinder so lange, bis sie sich einem Erwachsenen anvertrauen?

Weil die Täter genau dafür den Boden bereiten: Sie geben den Kindern sehr viel Aufmerksamkeit, schmeicheln, setzen sie aber auch massiv unter Druck, z.B. indem sie drohen, dass den Eltern oder ihnen etwas sehr Schlimmes passieren wird, wenn sie über die sexuelle Ausbeutung sprechen.
Die Opfer haben immense Schuld- und Schamgefühle. Nicht selten haben Kinder das Gefühl, dass sie die Übergriffe selbst verursacht haben. Das Vertrauen in Erwachsene wird in unvorstellbarem Ausmaß erschüttert, so dass die Kinder total verunsichert sind, wem sie noch vertrauen können.

 

Wie verhalten sich Kinder nach einem sexuellen Übergriff?

Die Kinder sind emotional tief erschüttert. Manche Kinder werden aggressiv, auch gegenüber anderen Bezugspersonen und Kindern. Andere ziehen sich zurück, verstummen und machen sich unsichtbar. Manche Opfer versuchen sich so zu verhalten, als ob „nichts passiert wäre“- sie täuschen ihr Umfeld, um sich nicht mit ihrer inneren Katastrophe zu konfrontieren. Dies sind Bewältigungsstrategien einer Traumatisierung.

 

Wie können Erwachsene den Kindern helfen?

Kinder brauchen stabile Erwachsene, die für sie da sind. Sie brauchen die Botschaft, dass man ihnen glaubt und sie nicht schuld an der sexuellen Gewalt des Täters sind. Es ist alleine die Verantwortung des erwachsenen Täters. Die wichtigsten Bezugspersonen können viel für die betroffenen Kinder tun, indem sie den Kindern im Alltag ein Gefühl der Sicherheit vermitteln. Manchmal schlafen die Kinder zum Beispiel schlecht, haben Albträume. Da kann es wichtig sein, dass die Kinder nachts die Nähe und den Schutz der Eltern wahrnehmen dürfen. Die Erwachsenen dürfen die Kinder nicht auf dieses Erlebnis reduzieren: der „normale Alltag“, wie zum Beispiel Freunde treffen, ins Schwimmbad gehen, usw. sollte aufrecht erhalten bleiben. Kinder brauchen die Erfahrung zurück, dass es Erwachsene gibt, auf die sie sich verlassen können.