© Daniel Karmann

Fremde flüstern: Museum zeigt Ausstellung «Stille Post»

Nürnberg (dpa/lby) – Hören, Verstehen und Weitersagen – das sind die kommunikativen Regeln des Kinderspiels «Stille Post», bei dem man zugleich Sender und Empfänger einer geflüsterten Botschaft ist. Die vielfach ausgezeichnete Fotografin Herlinde Koelbl geht behutsam einen Schritt weiter und lässt 28 Personen aus 16 Nationen von allen Kontinenten sich geheime Botschaften zuflüstern – und fängt ein, wie sich die Mimik ändert, wenn sich der Mensch von passiv zu aktiv, vom «Zugeflüsterten» zum Flüsterer verändert. Das Museum für Kommunikation in Nürnberg zeigt die Ausstellung «Stille Post» ab Freitag bis zum 10. September. Direktorin Marion Grether spricht von einer «epochalen Ausstellung». Sie zeige «die Grundelemente der Kommunikation auf die intime Art des Flüsterns und Verstehens.»

Großformatig hängen die Schwarzweißbilder in intimer Atmosphäre, zeigen eine kommunikative Kette verschiedenster Emotionen. Und eine Nähe, die sich völlig fremde Menschen unterschiedlichsten Alters, Geschlechts und Status‘ erlauben. «Dem anderen ein Ohr schenken», so die Künstlerin, erlaube, einander sehr nahe zu kommen. «Wir schenken dem anderen etwas, aber der andere schenkt uns auch etwas.»

Die Bilderserie, bei der auch Prominente wie Barbesitzer Charles Schumann, Autorin und Moderatorin Amelie Fried sowie Schauspielerin Sunnyi Melles zu sehen sind, ist ein Beitrag gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsradikalismus für den Münchner Verein Lichterkette, der seit 1992 Aktionen gegen Fremdenhass initiiert. So ist die Botschaft auch heute noch aktuell, denn «die Bilder beschäftigen sich mit der Frage, was das Fremde für uns ist».