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Brexit-Folgen: Immer mehr Briten wollen Deutsche werden

München (dpa/lby) – Immer mehr Briten in Bayern machen aus dem bevorstehenden Brexit ihren persönlichen staatsbürgerlichen Exit. «Das Interesse britischer Staatsangehöriger an einer Einbürgerung in den deutschen Staatsverband ist seit dem Jahr 2015 enorm gestiegen», teilte der Münchner Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle auf eine Anfrage der CSU-Stadtratsfraktion mit. Wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab, ist diese Entwicklung kein Einzelfall.

In der Landeshauptstadt wurden vor der Diskussion um den EU-Austritt Großbritanniens in den Jahren 2010 bis 2014 jährlich maximal zehn britische Staatsangehörige eingebürgert, dies stieg danach sprunghaft an: «Im Jahr 2015 stieg die Zahl der Einbürgerungen um 150 Prozent auf 25, im Jahr 2016 um weitere 152 Prozent auf 63 und bis Ende Januar 2018 bereits um weitere 383 Prozent auf 241.» Von Anfang 2016 bis Ende Januar 2018 seien insgesamt 740 britische Staatsangehörige über das Verfahren und die Voraussetzungen einer Einbürgerung beraten worden, insgesamt seien 623 Anträge gestellt worden.

Einen entsprechenden Trend gab es in Augsburg. 2015 habe es nur 4 Einbürgerungen von Briten in der schwäbischen Stadt gegeben, berichtete die Ausländerbehörde der Stadt. Im darauffolgenden Jahr waren es bereits 16 und im Jahr 2017 dann 26 Briten, die den deutschen Pass haben wollten.

Auch in Bamberg gehe die Tendenz «eindeutig nach oben», teilte ein Stadtsprecher mit. In den Jahren 2013 bis 2015 wurden in der oberfränkischen Stadt demnach keine, im Jahr 2016 zwei und im Jahr 2017 zehn britische Staatsangehörige eingebürgert. In diesem Jahr sind es zum Stand 31. März zwei.

In Unterfranken haben sich in den vergangenen acht Jahren relativ wenig Briten einbürgern lassen. So wollten beispielsweise in Aschaffenburg zwischen 2010 und 2017 gerade einmal zehn Menschen von der Insel lieber den deutschen Pass. In Schweinfurt gab es zwischen 2010 und 2017 lediglich eine einzige Einbürgerung eines britischen Staatsbürgers. Dafür geht es heuer deutlich aufwärts: «2018 bis jetzt einer und in den nächsten Tagen werden noch mal drei eingebürgert», sagte eine Sprecherin der Stadt dazu.

In Würzburg ist die Tendenz seit 2010 stetig steigend. Während zwischen 2010 und 2013 keine Anfrage vorlag, wurden es seitdem jährlich mehr. «2014 einer, 2015 drei, 2016 sechs, 2017 sieben und in diesem Jahr bereits vier», sagte ein Stadtsprecher.

In Grenzen halten sich die Zahlen dagegen in Nürnberg. Nach Angaben des Einwohneramtes leben etwa 800 Briten in der Frankenmetropole. In den vergangenen Jahren hätten diese als Bürger einer «stolzen Nation» keinerlei Notwendigkeit gesehen, sich in Deutschland einbürgern zu lassen, sagte Dienststellenleiter Olaf Kuch. 2016 habe es dann die ersten Anfragen gegeben – schließlich gab es in dem Jahr 19 Fälle. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl auf 36 und in diesem Jahr seien es bisher 3 Einbürgerungen von Briten gewesen.