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Bergmans «Schlangenei» am Staatsschauspiel

München (dpa) – Es ist eine düstere Geschichte, die Ingmar Bergman in seinem Drama «Das Schlangenei» erzählt. Eine Mordserie erschüttert Berlin im Herbst 1923, kurz vor dem gescheiterten Hitler-Putsch. Auf der Suche nach den Tätern gerät ein jüdischer Zirkusartist unter Verdacht. Bergman drehte den Film 1976 während seiner Münchner Jahre, in denen er auch am Bayerischen Staatsschauspiel inszenierte. Anlässlich seines 100. Geburtstages, den Bergman am 14. Juli 2018 begangen hätte, erinnert das Theater an den berühmten Regisseur und zeigt sein Filmdrama «Das Schlangenei» auf der Bühne. Am Samstagabend feierte die Inszenierung von Anne Lenk Premiere im Cuvilliéstheater.

Lenk inszenierte «Das Schlangenei» als surrealistische Erzählung mit albtraumhaften Elementen. Auf der Bühne ein dunkler Tunnel, aus dem Figuren wie aus dem Nichts auftauchen. Zentrale Figur ist Abel Rosenberg, hervorragend gespielt von Franz Pätzold. Sein Bruder Max hat Selbstmord begangen. Max‘ Ex-Frau Manuela (Nora Buzalka) macht sich deshalb schwere Vorwürfe und Inspektor Bauer (Oliver Nägele) sucht fieberhaft den Mörder. Es herrscht ein Klima der Angst und die Nationalsozialisten gewinnen immer mehr an Macht.

«Das Schlangenei» handelt von Macht und Ohnmacht, von zynischen Menschenversuchen und der Sehnsucht, in all dem Chaos und der Angst kleine Inseln der Ruhe zu schaffen. Als Bergmann den Film drehte, lebte er in München im Exil. In seinem Heimatland sollte ihm wegen Steuerhinterziehung der Prozess gemacht werden – zu Unrecht, wie sich später herausstellen sollte. 1977 söhnte er sich mit Schweden wieder aus, blieb dem Münchner Theaterhaus aber bis 1984 eng verbunden.