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Bayreuther Festspiele mit Wieland-Wagner-Schau

Bayreuth (dpa) – Bayreuth ist bereit für die Festspiele: Mit einer Ausstellung und einem Festakt ist am Tag vor der Premiere Wieland Wagner anlässlich seines 100. Geburtstages geehrt worden. Am Dienstag startet das weltberühmte Festival mit der Neuinszenierung von Richard Wagners Oper «Die Meistersinger von Nürnberg» unter der Regie von Barrie Kosky. Das kulturelle Großereignis wird auch in diesem Jahr von strengen Sicherheitsmaßnahmen begleitet. Zur Eröffnung werden Schwedens Königspaar und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet.

«Ich weiß, irgendwie sind alle ganz enttäuscht, dass es keine Skandale gab», sagte Festspielleiterin Katharina Wagner am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Die Urenkelin Richard Wagners hatte eine Überraschung parat: Im kommenden Jahr – eigentlich eine «Ring»-freie Saison – soll Spaniens Opernstar Placido Domingo drei Aufführungen der «Walküre» dirigieren. Das ist auch deshalb überraschend, weil damit in einer Saison nur eine der vier «Ring»-Opern und nicht der gesamte Zyklus aufgeführt wird. Regisseur ist wieder Frank Castorf.

Darüber hinaus verriet Wagner, dass 2018 die Rolle der Elsa im «Lohengrin» von der Sopranistin Anja Harteros gesungen wird. Ursprünglich war für die Rolle Weltstar Anna Netrebko im Gespräch gewesen. Als Ortrud werde im kommenden Jahr Wagner-Sängerin Waltraud Meier zu den Festspielen zurückkehren.

Die am Montag eröffnete Ausstellung im Richard-Wagner-Museum zeigt die Entwicklung Wieland Wagners vom Günstling Adolf Hitlers hin zum Wegbereiter von «Neu-Bayreuth». Der Komponisten-Enkel stehe für die Abkehr der Festspiele von der nationalsozialistischen Vergangenheit und für eine «theaterästhetische Revolution», sagte Direktor Sven Friedrich.

Mit seinem «Parsifal»-Bühnenbild zum Neustart der Festspiele im Jahr 1951 hatte der damals 34-jährige Wieland Wagner nicht nur viele Premierengäste und Kulturkritiker, sondern auch seine Mutter Winifred entsetzt: Als sich der Vorhang öffnete, blickten die Zuschauer in einen leeren Bühnenraum. Das sei das Publikum nicht gewohnt gewesen, sagte Friedrich. Wagner habe heftige Kritik einstecken müssen.

Aufgewachsen ist Wieland Wagner mit seinen Geschwistern Wolfgang, Friedelind und Verena in der Villa Wahnfried, dem Wohnhaus Richard Wagners. Gemeinsam mit seinem Bruder übernahm er 1951 die Leitung der Festspiele. 1966 starb er im Alter von 49 Jahren in München. Die Schau hat den Titel: «Es gibt nichts «Ewiges». Wieland Wagner – Tradition und Revolution.»

Mit dem traditionellen Defilée der prominenten Premierengäste beginnt am Dienstagnachmittag die vierwöchige Festspielsaison in Bayreuth. Die Schaulustigen dürfen sich auf königlichen Besuch freuen: König Carl Gustaf und Königin Silvia von Schweden werden auf dem roten Teppich erwartet, ebenso Kanzlerin Merkel und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer.