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Arbeitslosenzahl in Bayern sinkt: Niedrigste Quote

Nürnberg (dpa/lby) – Die Zahl der Arbeitslosen in Bayern ist im Zuge des Herbstaufschwungs auf rund 209 000 gesunken – die Erwerbslosenquote erreichte damit einen Tiefststand seit 20 Jahren. «Erstmals seit Erfassung der Arbeitslosenquote können wir für Bayern eine Arbeitslosenquote von unter drei Prozent verkünden», sagte der Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Ralf Holtzwart, am Donnerstag in Nürnberg. Er bezeichnete dies als «kleine Sensation».

Die Quote ging gegenüber dem Vormonat um 0,1 Punkte auf 2,9 Prozent zurück. «Eine Zwei vor dem Komma hat zuvor kein anderes Bundesland erreicht», sagte Holtzwart. Arbeitsministerin Emilia Müller (CSU) sprach von «Vollbeschäftigung».

Im Vergleich zum Vormonat waren im Freistaat im Oktober etwa 12 000 Menschen weniger ohne Job. Gegenüber dem Vorjahr sank die Zahl der Arbeitslosen um rund 19 000. Die Jugendarbeitslosigkeit war mit einer Quote von 1,8 Prozent besonders niedrig. Die Zahl der Menschen mit regulärem Job stieg nach hochgerechneten Werten vom August auf 5,46 Millionen. Vor allem die Zahl der Älteren, Ausländer sowie Akademiker mit sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung nahm zu.

«Die gute Entwicklung auf dem bayerischen Arbeitsmarkt setzt sich kontinuierlich fort», sagte Holtzwart. Die stetig wachsende Beschäftigung und die anhaltend hohe Nachfrage nach Arbeitskräften trügen dazu bei. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung erwarte auch für 2018 einen Rückgang der Erwerbslosigkeit. Dabei zeigten sich jedoch zunehmend strukturelle Probleme: Die steigende Nachfrage nach Fachkräften stehe einem kleiner werdenden Angebot an Arbeitskräften gegenüber. «Die aktuelle Bilanz am Ausbildungsmarkt macht deutlich, dass bereits die Rekrutierung von Nachwuchskräften für manche Unternehmen eine Herausforderung ist», sagte Holtzwart.

Zum Beginn des Ausbildungsjahres waren im Freistaat noch mehr als 14 000 Lehrstellen unbesetzt. Ihnen standen rund 1200 unversorgte Bewerber gegenüber. Holtzwart appellierte daher an die jungen Menschen, sich auch mit Alternativen zu ihrem Traumberuf auseinanderzusetzen. Obwohl es knapp 330 Ausbildungsberufe gebe, konzentrierten sich die jungen Leute auf eine Handvoll Wunsch-Berufe. Junge Frauen wollen am häufigsten Kauffrau für Büromanagement werden, junge Männer Kfz-Mechatroniker.

Die Betriebe müssten gleichzeitig vermeintlich schwächeren Bewerbern eine Chance geben oder den Ausbildungsplatz einem verfügbaren Bewerber anpassen, sagte Holtzwart. «Jedem jungen Menschen muss die Möglichkeit auf einen qualitativ hochwertigen Ausbildungsplatz gegeben werden», forderte Carlo Kroiß, Bezirksjugendsekretär der DGB-Jugend Bayern. Die Wirtschaft stehe hier in der Pflicht.

Der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Bertram Brossardt, warnte, die Erfolge auf dem Arbeitsmarkt aufs Spiel zu setzen: «Unsere Unternehmen bewegen sich in einem weltpolitisch sowie wirtschaftlich volatilen Umfeld. Die neue Bundesregierung muss daher wieder mehr Wirtschaft wagen.» Er forderte mehr Flexibilisierung im Arbeitsrecht, stabile Lohnzusatzkosten, einen Verzicht auf Steuererhöhungen sowie Entlastungen für den Mittelstand.